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Der Herr Schäuble möchte also gerne wissen, was du, ich und alle anderen so alles auf ihrem Rechner gespeichert haben, was in den empfangenen und gesendeten eMails steht und wo ich in letzter Zeit so alles hingesurft bin.
Ehrlichgesagt intressiert es mich nicht so sehr, wo Herr Schäuble hinsurft. Zumindest würde ich nicht versuchen, in seinen privaten Rechner einzubrechen. (sein dienstlicher wäre da schon intressanter...nein, nicht wirklich) Was erwartet also Herr Schäuble davon, private Rechner online durchsuchen zu können? Ich vermute mal, er sucht nach Hinweisen auf terroristische Aktivitäten. Hierzu will er also in meinen Rechner einbrechen und Daten mitlesen - so, wie das ein Spion auch machen würde. Allerdings bei allen Rechnern in diesem Lande. Bei allen Rechnern. Boah! Dieser Datenflut in sinnvoller Weise Herr zu werden, ist sicherlich keine leichte Aufgabe, die sichere Archivierung ebenfalls. Und dann muss das ganze auch noch so geschehen, dass keine Schlupflöcher für wirkliche Terroristen (oder alle denkbaren anderen Ganoven) offen bleiben, die sich bestimmt freuen würden, wenn sie die Rechner unbescholtener Bürger fernsteuern und missbrauchen könnten, um ihre verbrecherischen Tätigkeiten durchzuführen, ohne selber dafür geschnappt zu werden. Ich fürchte ja, dass das zu verhindern kaum möglich ist. Ergo: Massenhafte Einbrüche in die Privatrechner der Bürger leisten den Terroristen möglicherweise gute Dienste. Nun - zu unser aller Glück hat der Bundesgerichtshof die heimliche Online-Durchsuchung von Computern im Februar 2007 vorerst untersagt. Das alles erinnert mich irgendwie an die Volkszählungsdebatte vor gut 25 Jahren. Wer erinnert sich noch an der Aufschrei des deutschen Volkes, als 1981 die Volkszählung durchgeführt werden sollte? Diese fand nach vielen politischen Debatten, höchstrichterlichen Urteilen (Bundesverfassungsgericht - Volkszählungsurteil von 15.12.1983) und dem Widerstand des deutschen Volkes erst 6 Jahre später am 25.5.1987 statt (siehe deutsche Volkszählung). Hier hatten die Gegner befürchtet, dass mit dem Erfassen der Daten Deutschland zum Überwachungsstaat mutiere und die Deutschen zu "gläsernen Bürgern" werden würden. Dabei handelte es sich in erster Linie um Daten über Wohnung, Bewohner, Arbeitsplatz und Beruf. Vorwiegend Daten, welche schon von verschiedenen anderen Stellen erfasst worden waren, aber nicht zusammen geführt wurden, da sie bis dato untereinander nicht, oder nur kaum verquickt waren (z.B. Einwohnermeldeamt, Straßenverkehrsamt, Standesamt, freiburger Zentralregister, Sozialamt, Arbeitsamt, etc.). Heute ist es etwas ruhiger, die Bürger regen sich scheinbar nicht mehr so auf - was ich sehr schade finde. Obwohl es Verlautbarungen gegen solche staatlichen Machenschaften gibt - im Internet zum Beispiel: http://briefe.gegen.daten.speicherung.eu/schreiben.htm http://www.ccc.de/updates/2007/online-durchsuchung oder auch eher neutrale Beschreibungen dessen, was vielleicht auf uns zukommt: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,464629,00.html Was heute professionelle "Datensammler" wissen - also Gesellschaften, welche gezielt Informationen über Personen sammeln und gegen Geld zur Verfügung stellen, ist mitunter erschreckend. Daten über Ottonormalverbraucher, welche z.B. Kunden eines oder mehrer Warenhäuser sein können. Menschen, die im Internet bestellen (und 'Webmiles'© sammeln - ein Rabattsystem), in Geschäften mit Karte zahlen, ihre Rabattkarte vorlegen (da kann man für die gesammelten Punkte ja so tolle Sachen bekommen - und der "Datensammler" freut sich). Angesichts der Daten, die heutzutage über die meisten Bürger gesammelt werden, könnte man die damalige Aufregung über die Volkszählung glatt belächeln . Zum Beispiel: Personifizierte Rabattsysteme wie die Paybackcard©, über die vermutlich ein Konsumprofil erstellt wird, um diesem Kunden mundgerechte Werbung zukommen zu lassen; ferner lässt sich feststellen wer, wann in welchem Geschäft welche Artikel eingekauft hat. Ein anderes Beispiel ist der RFID-Chip Ein kleiner "Minisender", welcher an der Wahre klebt - etwa in Form eines Preis-Aufklebers - und von einem Lesegerät aus Entfernungen von wenigen Zentimetern - bis zu mehreren Metern ausgelesen werden kann. Häufig nutzen Warenhäuser diese Technik, um Diebstahl entgegen zu wirken. Es piept beim Verlassen des Geschäftes, wenn der RFID-Chip nicht an der Kasse neutraliesiert, oder umprogrammiert wurde. Wird eine Ware mit RFID-Chip unter Vorlage einer Paybackkarte bezahlt, kann theoretisch weiter verfolgt werden, wo dieser Kunde als nächstes einkaufen geht. Der Chip kann im Prinzip auch in anderen Geschäften ausgelesen werden. Da er von einem Kunden erworben wurde, dessen Name dem ersten Geschäft bekannt ist (weil er die Paybackkarte beim Erwerb vorlegte). Arbeiten mehrere Geschäfte zusammen, können sie somit Verhaltensprofile ihrer Kunden erstellen. Ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, dass wir irgendwann nicht mehr selber entscheiden, was wir einkaufen, sondern die Konzerne bei denen wir einkaufen. |